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Objekt des Monats Oktober 2023

Seit 2017 ist die Stadt Bruchsal Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommune und beteiligt sich schon einige Jahre an der deutschlandweiten Aktion „Stadtradeln – Radeln für ein gesundes Klima“. Viele Bürger nehmen in Gruppen teil und haben im diesjährigen Aktionszeitraum 34 Tonnen Kohlendioxid gespart.

Die Beweggründe für die Gründung des „Velociped-Club Bruchsal“ 1889 waren sicher andere. Bereits zum einjährigen
Seit 2017 ist die Stadt Bruchsal Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommune und beteiligt sich schon einige Jahre an der deutschlandweiten Aktion „Stadtradeln – Radeln für ein gesundes Klima“. Viele Bürger nehmen in Gruppen teil und haben im diesjährigen Aktionszeitraum 34 Tonnen Kohlendioxid gespart.

Die Beweggründe für die Gründung des „Velociped-Club Bruchsal“ 1889 waren sicher andere. Bereits zum einjährigen Bestehen organisierte der Verein ein Club Rennen. Der Gewinner durfte diesen originellen Bierkrug sein Eigen nennen.
Der aus grauem Steinzeug als Hochrad gestaltete Krug mit Henkel, wird von einem Metalldeckel in Form eines Radfahrers geschlossen. Seine Bekleidung entspricht der Ausstattung eines Jockeys: kurze, enganliegende Jacke mit Stehkragen und Knopfleiste, Kniebundhose, Gamaschen und ein Käppi mit Schild.

Der Reiter greift mit beiden Händen an den Lenker und richtet den Blick nach vorne. Auf der Fläche unter ihm befinden sich Gravuren in Schrifttyp Gothic E:
Velociped=Club Bruchsal   
I. Preis Club Rennen       
24.VII.90

Zum zehnten Jubiläum des Clubs wirbt der Verein mit einer Ansichtskarte von der Bruchsal Druckerei Katz, auf der die Kaiserstraße und das Rathaus zu sehen sind. Außerdem leisten sich die Mitglieder eine kostbare Fotomontage, auf der sie mit ihren Fahrrädern zu sehen sind. Auf dem Rand waren alle namentlich genannt. Vielleicht fan anlässlich des Jubiläumsfestes ebenfalls ein Club Rennen statt, jedenfalls sind drei Männer mit Sieger- oder Ehrenschärpen dekoriert. Einer davon hält stolz die Vereinsfahne. Wann die Zuordnung der auf der Bildkopie nicht sichtbaren Namen zu der Nummerierung erfolgte ist nicht bekannt. Aber es ist festzustellen, dass der Großteil der Vereinsangehörigen der wohlhabenderen Bruchsaler Bürgerschaft angehörte, deren Nachkommen noch heute in Bruchsal leben. Sie konnten nicht nur die teure Fotomontage in Auftrag geben, sondern sich auch ein Fahrrad leisten. Es wurde selbst zusammengebaut. Im Vordergrund ist ein Hochrad zu sehen, aber nicht wie jenes auf dem Bierkrug dargestellte aus Holz gefertigt ist, sondern aus Metall. Das Hochrad wurde Ende des 19. Jahrhundert als Statussymbol junger, wohlhabender Männer angesehen. Obenauf waren sie quasi auf gleicher Höhe wie adlige Reiter. Viele in der Zeit gegründete Radsportvereine nennen sich „Fahrrad Reit Verein“ oder wurden „Fahrrad Reit Schule“ betitelt. Durch die Entwicklung vom sturzanfälligen Hochrad zum Sicherheitsrad und schließlich Niederrad und von metallenen Reifen oder Holzreifen zum luftgefüllten Reifen, entstand ein wahrer Fahrradboom. 1897 wurden circa 350.000 Fahrräder in Deutschland hergestellt. Das Hochrad fungierte allenfalls noch als Sport- bzw. Kunst-Rad.

Bewundern Sie den originellen Bierkrug und viele weitere interessante Ausstellungsstücke, die das Leben in Bruchsal dokumentieren von Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr im Städtischen Museum Bruchsal.