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Objekt des Monats Januar

Drei Heilsgeschehen 

Auf diesem 266 qcm großen Bronzerelief ist die ganze christliche Heilsgeschichte des Neuen und Alten Testaments vereint. Der zentrale Mittelpunkt ist Jesus und seine Eltern. In einem langen Gewand, wird er von seinen Eltern eingerahmt. Vorne rechts kauert Maria mit Schleier. Ihre linke Hand ist schützend auf die Mitte des kleinen Körpers gelegt. Josef steht dahinter, seine Rechte erhoben. Die Darstellung der Geburt Jesu in der Krippe, beinhaltet das Motiv der „heiligen Familie“. 
Der dazugehörige Festtag wird innerhalb von 8 Tagen nach Weihnachten gefeiert, also in den letzten Tagen des Jahres. Schon im Mittelalter ist Jesus Familie eigenständiges Motiv. Zunächst in enger körperlicher Beziehung zueinander und häuslicher Umgebung, wird sie im 17. Jh. als gehende Gruppe dargestellt, ein Hinweis auf den Lebensweg von Jesus. Im Relief, das Theo Diel 1983 fertigte, befindet sich Jesus beschützt zwischen seinen Eltern. Die Gruppe ist von einer Vielfalt bewegter Formen umrahmt. Sie symbolisieren einzelne biblische Ereignisse. Wolken, Wasser und Sonne deuten auf die Erschaffung der Welt, die kleine Schlange rechts neben Maria auf den Sündenfall hin, der wasserfallartige Regen oben links auf die Sintflut, die Felsen darunter auf die Übergabe der „Zehn Gebote“ auf dem Berg Sinai. Weizen und Wein stehen für eine Vielzahl von Gleichnissen, die Jesus in seinen Reden äußert. Zum Beispiel: vom reichen Kornbauer, vom Unkraut unter dem Weizen, von neuem Wein in alten Schläuchen. Weintrauben und Weizen in Form von Wein und Brot setzt Christus in der Überlieferung von Paulus mit seinem Blut und seinem Leib gleich. Sie sind bis heute äußere Zeichen seiner Selbstopferung und wichtiger Bestandteil christlicher Zeremonien. Am mittleren, unteren Rand des Reliefs erscheint aus einer wellenförmigen Struktur ein Gesicht mit tief gehöhlter Augenpartie und mit einem zum Schrei geöffneten Mund – Hinweis auf den Tod Christi oder die Wiederauferstehung.

Außer dem Brunnen auf dem Friedrichsplatz, sind fast ausschließlich religiöse Werke von Theo Diel bekannt. 1927 bei Aschaffenburg geboren, zeigte sich bereits als Kind seine Begabung. Allerdings wurde er nach der Schulzeit zur Wehrmacht eingezogen. In Gefangenschaft erkrankte er, wurde vorzeitig entlassen. Nach dem Besuch einer Holzschnitzschule, wird er Meisterschüler an der Badischen Landeskunstschule, heute Akademie der Bildenden Künste. Viele Künstler entwickelten nach dem Krieg die ab 1933 als „entartet“ verfemten Bestrebungen nach Abstraktion weiter, so auch er. Von den Bildstöcken auf dem Weg zum Feldkirchle, bis zum hier gezeigten Relief veränderte sich sein Stil sichtlich. Er hatte sich in Bruchsal selbständig gemacht, wo die meisten seiner Arbeiten zu finden sind. Theo Diel starb am 1. März 2015.